Branche · Gastronomie · 5. November 2026 · 6 Min. Lesezeit
Online-Bestellsystem für Restaurants: eigenes System oder Lieferplattform?
Eigenes Online-Bestellsystem oder Lieferplattform? Ein ehrlicher Vergleich für Restaurants, Imbisse und Cafés: Gebühren, Kundendaten, QR-Bestellung, Abholung und Kasse.
Viele Restaurants nehmen Online-Bestellungen heute über eine oder mehrere Lieferplattformen an. Das ist bequem: Die Plattform bringt die App, die Reichweite und oft auch die Fahrer mit. Irgendwann stellt sich aber fast jedem Betrieb die Frage, ob ein eigenes Bestellsystem nicht sinnvoller wäre. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, und oft ist die beste Lösung eine Kombination aus beidem.
In diesem Beitrag gehe ich die Unterschiede durch, so wie ich sie beim Bau des Bestellsystems für die EFA-Tankstellen-Bistros in Karlsruhe und Baden-Baden kennengelernt habe.
Wie Lieferplattformen Geld verdienen
Plattformen finanzieren sich in der Regel über eine Provision pro Bestellung, manchmal ergänzt um Gebühren für Zahlungsabwicklung, Lieferung oder bessere Platzierung. Wie hoch das im Einzelfall ist, hängt von Ihrem Vertrag ab: ob Sie selbst ausliefern, ob die Plattform die Fahrer stellt, welches Paket Sie gebucht haben. Schauen Sie sich Ihre Abrechnungen der letzten Monate genau an und rechnen Sie aus, was Sie pro Bestellung tatsächlich abgeben. Bei kleinen Margen in der Gastronomie macht das einen spürbaren Unterschied.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der oft unterschätzt wird: Die Kundenbeziehung gehört weitgehend der Plattform. Sie sehen eine Bestellung, aber Sie bauen keinen eigenen Kontakt zu Ihren Stammgästen auf. Die Gäste kommen wieder zur App, nicht unbedingt zu Ihnen.
Was ein eigenes Bestellsystem anders macht
- Keine Provision an Dritte pro Bestellung. Es bleiben Kosten für Entwicklung, Hosting, Wartung und Zahlungsanbieter, aber die sind planbar.
- Ihre Gäste bestellen auf Ihrer Seite, unter Ihrem Namen, mit Ihrem Design.
- Sie entscheiden selbst über Abläufe: Abholzeiten, Mindestbestellwert, Extras, Tagesgerichte.
- Die Bestelldaten liegen bei Ihnen, natürlich im Rahmen der DSGVO.
Was ein eigenes System nicht automatisch mitbringt, ist Reichweite. Niemand findet Ihre Bestellseite, nur weil sie existiert. Sie müssen sie bekannt machen: auf Ihrer Website, im Google-Unternehmensprofil, auf Instagram, auf Flyern in der Tüte und vor allem im Restaurant selbst.
Drei typische Einsatzbereiche
- 01
QR-Bestellung am Tisch
Gäste scannen einen Code auf dem Tisch, sehen die Karte, bestellen und bezahlen am eigenen Handy. Die Bestellung erscheint sofort in der Küche, mit Tischnummer. Das entlastet das Personal besonders zu Stoßzeiten.
- 02
Abholung (Click & Collect)
Gäste bestellen von zu Hause oder unterwegs und holen zu einer gewählten Zeit ab. Hier gibt es keine Lieferkosten und keine Fahrer, und die Plattformprovision fällt weg. Für viele Imbisse, Pizzerien und Cafés ist das der einfachste Einstieg.
- 03
Eigene Lieferung
Wenn Sie ohnehin eigene Fahrer haben, kann ein eigenes System auch Lieferungen abbilden: Liefergebiete, Mindestbestellwerte, Lieferzeiten. Das ist der aufwendigste Fall und lohnt sich vor allem, wenn bereits ein Lieferbetrieb läuft.
Kasse, Bon und Küche
Ein Bestellsystem ist nur so gut wie seine Anbindung an den Alltag hinter der Theke. Neue Bestellungen sollten mit Ton im Admin-Bereich auftauchen, der Bon sollte automatisch drucken, und das Team muss Artikel, Preise und Öffnungszeiten selbst pflegen können, ohne mich anrufen zu müssen.
Bei der Kasse lohnt sich ein genauer Blick. In Deutschland gelten für elektronische Kassensysteme besondere Anforderungen, unter anderem die Kassensicherungsverordnung mit zertifizierter technischer Sicherheitseinrichtung. Ob und wie Online-Bestellungen in Ihr Kassensystem übertragen werden müssen, hängt von Ihrer Kasse und Ihrer Buchhaltung ab. Klären Sie das mit Ihrer Steuerberatung, bevor Sie live gehen. Technisch ist die Übergabe an viele Kassensysteme über eine Schnittstelle möglich, aber nicht jede Kasse bietet eine an.
Bezahlung: vorher oder bei Abholung?
Ich empfehle in den meisten Fällen Online-Bezahlung vor dem Absenden der Bestellung, etwa per PayPal oder Karte. So gibt es keine bestellten, aber nicht abgeholten Gerichte. Barzahlung bei Abholung ist möglich, erhöht aber das Risiko von Scherzbestellungen. Die Gebühren des Zahlungsanbieters fallen übrigens auch bei einem eigenen System an, sind aber meist deutlich überschaubarer als eine Plattformprovision. Vergleichen Sie die Konditionen direkt beim Anbieter.
Eigenes System und Plattform gleichzeitig?
Ja, und das ist für viele Betriebe der vernünftigste Weg. Die Plattform bleibt als Kanal für Neukunden, die Sie sonst nicht erreichen würden. Stammgäste und Gäste im Lokal leiten Sie auf Ihr eigenes System: mit dem QR-Code am Tisch, einem Hinweis auf dem Bon oder einem kleinen Vorteil für Direktbestellungen. Prüfen Sie dabei Ihren Plattformvertrag, ob es Vorgaben zu Preisen oder Aktionen gibt.
Woran Sie ein gutes System erkennen
- Die Bestellseite lädt auch bei schlechtem Netz schnell und funktioniert ohne App-Installation.
- Gäste brauchen kein Kundenkonto, um zu bestellen.
- Abholzeiten richten sich nach der echten Kapazität der Küche.
- Mehrere Standorte lassen sich in einem System verwalten.
- Datenschutzerklärung, Impressum und Preisangaben inklusive Mehrwertsteuer sind sauber umgesetzt.
- Sie bekommen den Quellcode oder zumindest einen klaren Exportweg für Ihre Daten.
Mein Fazit
Ein eigenes Bestellsystem ersetzt die Plattform nicht über Nacht. Es gibt Ihnen aber einen Kanal, der Ihnen gehört, und das wird mit jeder Direktbestellung wertvoller. Wer viel Laufkundschaft im Lokal hat oder viele Abholungen, profitiert am schnellsten, weil die Gäste schon da sind und nur einen bequemeren Weg zum Bestellen brauchen.
Weitere Notizen